Die Frauen und die Politiker

Nach diesen Landtagswahlen ist die Untervertretung von Frauen in politischen Ämtern und auch in weiteren wichtigen Führungspositionen wieder voll ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Das Abschneiden der Frauen war für viele ein Schock. Die Zahl der Frauen in politischen Ämtern ist in den letzten acht Jahren gar kontinuierlich geschrumpft, obwohl sich kompetente Frauen der Wahl gestellt haben. Das zeigt eindrücklich, dass sich Gleichberechtigung nicht von alleine einstellt, sondern dass es grosse politische Bemühungen braucht. Viele Menschen, viele von ihnen Frauen, haben sich in den letzten Jahren für Gleichberechtigung engagiert. Es gibt ein aktives Frauennetz, das gerade wieder einen neuen Vorstand gewählt hat. Neu gibt es einen Verein für eine Geschlechterquote (www.hoiquote.li), der sich nach dem Wahlschock formiert hat. Endlich gibt es einen Verein für Menschenrechte, dessen Präsident schon angekündigt hat, dass die Gleichstellung zwischen Frau und Mann ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt sein wird.

Aber wie sieht es mit der Politik aus? Die Stabstelle Chancengleichheit wurde jahrelang unter dem Gesellschaftsminister sehr klein gehalten und letztlich aufgelöst. Ein Vorstoss der Freien Liste zur Förderung von Frauen in Führungspositionen in der Landesverwaltung und Kommissionen, mit dem auch eine Quote geprüft werden sollte, wurde vor 1.5 Jahren von der Mehrheit der männlichen Abgeordneten im Landtag abgelehnt.

Wo sind die Politiker, die bisher keinerlei Handlungsbedarf sahen?

Es gibt Frauen in den Grossparteien, die sich sehr für Gleichstellung engagieren. Es wird höchste Zeit, dass auch endlich politische Massnahmen auf den Tisch gebracht werden; oder wenigstens ein Bekenntnis, dass in der Verwaltung, in staatsnahen Betrieben und in der Politik für eine ausgewogene Vertretung der Geschlechter eingestanden wird. Nur so können Rollenbilder, die ganz offensichtlich noch in den Köpfen verankert sind, verändert werden. Die Freie Liste hat sich schon mehrfach für verschiedene Formen einer Geschlechterquote eingesetzt und kämpfte in der letzten Legislatur vehement für eine Stabstelle für Chancengleichheit und einen Verein für Menschenrechte. Die Landtagsfraktion der Freien Liste wird Ideen der anderen Parteien aus Landtag und Regierung zur Frauenförderung unterstützen. Am Zug sind nun aber die Grossparteien, denn letztlich entscheiden sie mit ihrer Mehrheit, was möglich ist und was nicht. Drauf jetzt!

Die Landtagsfraktion der Freien Liste