Von den Konsequenzen des neuen KVGs überrollt

Viele Menschen in Liechtenstein fragen in Gesprächen mit Mitgliedern der Freie Liste, mit Hausärzten oder Coaches, wohin sie sich wenden können, da sie ihre Arztrechnungen nicht mehr bezahlen können. Einige erklären uns, dass sie bereits vereinbarte Arzttermine wieder absagen, weil sie nicht für die Rechnung aufkommen können. Viele Versicherte realisieren erst jetzt, was das neue KVG für Auswirkungen hat. Sie zahlen zwar mit dem Jahreswechsel 30 Franken weniger Prämien für die obligatorische Krankenversicherung (OKP). Das vermeintliche Prämiengeschenk wird für alle Kranken aber wieder «aufgefressen» und sie zahlen einiges mehr als früher. Grund sind die erhöhten Franchisen und der Selbstbehalt. Viele einkommensschwache Kranke haben zu wenig Reserven, um für die Rechnungen für ihre Arztbesuche aufzukommen. Es besteht Handlungsbedarf. Im Juni Landtag wird die Freie Liste wie schon berichtet den Antrag stellen, den Landesbeitrag an die OKP zu erhöhen. Wenn der Staatsbeitrag von 33 Mio. Franken auf 43 Mio. Franken im Jahr mit Zustimmung des Landtags erhöht wird, können die Prämien um 36.40 Franken pro Monat gesenkt werden.

Bis im letzten Jahr konnten die Versicherten bestimmen, dass sie neben der OKP nur 200 Franken pro Jahr an Behandlungskosten übernehmen. Ab dem Jahr 2017 gilt eine Mindestfranchise von 500 Franken. Unterzieht sich jemand, der für das laufende Jahr die niedrigste Franchise gewählt hat, medizinischen Behandlungen, muss er damit rechnen, diese 500 Franken zu bezahlen.

Ist die Franchise schon ausgeschöpft und ein Versicherter muss erneut zum Arzt, zahlt er erneut mehr als im letzten Jahr. Denn der Selbstbehalt für medizinische Leistungen wurde (ausser bei Senioren) verdoppelt: Wenn ein Versicherter medizinische Leistungen von 500 Franken benötigt, muss er heute 100 Franken selbst bezahlen. Bis anhin wären es 50 Franken gewesen. Wer also das Pech hat, krank zu sein, kommt für die monatliche Prämienreduktion von Gesunden auf. Hausfrauen, Senioren und Studenten, die über die Krankenkasse unfallversichert sind, müssen den Selbstbehalt und die Franchise auch bei einem Unfall bezahlen. Diese einkommensschwachen Gruppen von Verunfallten sind doppelt bestraft. Wer hingegen arbeitet, zahlt wegen der betrieblichen Versicherung bei einem Unfall weder Selbstbehalt noch Franchise und kommt erst noch in den Genuss des Arbeitgeberbeitrags an die OKP.

Die Ungerechtigkeiten des Systems können durch eine Prämiensenkung nicht aufgehoben werden, das können nur erwerbsabhängige Krankenkassenprämien, wie sie von der Freien Liste in einer einfachen Initiative gefordert worden sind. Stimmt der Landtag dem Erhöhungsantrag an die OKP zu, können aber wenigstens die schlimmsten Belastungen des KVG-Sparkurses bei Kranken und nicht Berufstätigen aufgehoben werden.

Fraktion der Freien Liste