Eine Brücke schaffen, die verbindet

Viele Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, denen das Jubiläumsprojekt Hängebrücke gerade vorgelegt wird, fühlen sich ungenügend informiert. Es gibt einige offene Fragen. Die vielen Leserbriefe zum Thema und viele Gespräche im Bekanntenkreis zeigen, dass auch die Bevölkerung diese Brücke noch nicht so richtig einordnen kann. Beim Projekt Hängebrücke handelt es sich derzeit eher um ein Projekt, das die Gemüter scheidet und nicht um ein verbindendes Projekt. Grund dafür ist, dass bisher weder der Politik noch der Bevölkerung ein umfassendes Projektkonzept für diese ca. 240 Meter lange und 1.2 Mio. Franken teure Brücke vorgelegt worden ist. Leider ist der politische Prozess so knapp geplant, dass kaum Zeit bleibt, das Referendum gegen die Gemeinderatsbeschlüsse zu ergreifen.

Auch die Liechtensteiner Gesellschaft für Umweltschutz wurde in die Planung nicht einbezogen. Über die Umweltverträglichkeit der Hängebrücke gibt es deshalb noch begründete Zweifel. Ein Tierschutzexperte sagte kürzlich öffentlich, dass die Brücke im Winter für den Wildtierschutz gesperrt werden müsste. Er warnt auch davor, Touristen in das bisher wenig berührte Gebiet zwischen Planken und Nendeln zu lenken, wo die Brücke entstehen soll. Ein weiterer Aspekt der Hängebrücke, der sie eher zu einem trennenden als zu einem verbindenden Projekt macht, ist, dass nicht alle diese Brücke nutzen können. Die 110 Meter hohe Brücke kann von Menschen, die gehbehindert sind oder die Höhenangst haben, unmöglich begangen werden. Es ist also kein Projekt für alle.

Dabei gäbe es viele Ideen für ein verbindendes und ökologisches sinnvolles Projekt mit Symbolcharakter. Eins davon ist die Aufwertung des «Scheidgrabens». Er trennt das Ober- und das Unterland sehr real. Er wird aus der Nendler Rüfe gespeist, quert die Eisenbahngleise und fliesst dann westwärts und schliesslich nordwärts in den grossen Kanal. Dabei berührt er das Gemeindegebiet von fünf Gemeinden: Planken, Gamprin, Schaan, Vaduz und Eschen. Der Verlauf ist langweilig und begradigt und könnte ökologisch aufgewertet werden. An einer kleinen Stelle, wo der Bach nordwärts fliesst, wurde bereits eine kurze Strecke ökologisch aufgewertet. Eine oder mehrere Holzbrücken könnten das Oberland und das Unterland symbolisch verbinden und den «Graben überwinden». Die Brücken könnten symbolhaft klingend benannt werden. Der grösste Gewinn läge sicher in der Steigerung der Artenvielfalt durch eine ökologische Aufwertung der Gegend. Die Bevölkerung könnte aber auch von einem attraktiv gestalteten Naherholungsgebiet profitieren. Es gibt sicher noch weitere Ideen wie diese aus der Bevölkerung, die für ein solches Jubiläumsprojekt miteinbezogen werden könnte: wirklich verbindende Ideen.

Vorstand der Freien Liste