Finanzierung der Alterspflege

Aktuelle Stunde im Oktober-Landtag

Wie finanzieren wir die Alterspflege in der Zukunft?

Urgrosseltern, Grosseltern, Eltern, Nachbarn: Wie viele hochbetagte Menschen kennen Sie, die Pflege- und Care-Dienste in Anspruch nehmen? Wieviele es heute auch sein mögen, in zehn Jahren wird ihre Zahl deutlich höher ausfallen. Bis 2030 wird der Bevölkerungsanteil insbesondere der über 80-jährigen 7.2% betragen – heute sind es 3.5%. Die Bevölkerungsentwicklung ist der wesentliche Treiber der Kostenentwicklung. Die Kosten für die Pflege und Betreuung der über 64-jährigen werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten explodieren. Die Politik ist gefordert, die Frage der Finanzierung der Alterspflege bereits heute in Angriff zu nehmen. Es liegt auf der Hand, dass die Gesellschaft hier zur Mitverantwortung verpflichtet ist und die Finanzierung der Alterspflege nicht in vollem Ausmass dem Einzelnen überlassen kann. Der Solidaritätsgedanke ist wichtig für eine ausgewogene Lösung, denn der Grossteil der alternden Bevölkerung wird die hohen Kosten nicht aus eigener Kraft stemmen können. Diejenigen, die für das Alter sparen können, tun dies bereits – oft aus einem hohen Verantwortungsbewusstsein heraus. Sie wollen niemandem zur Last fallen.

Welche Möglichkeiten und Optionen der Finanzierung bietet unser bestehendes Vorsorgemodell? Der Blick auf die erste Säule, die AHV zeigt keine Lösung, bei der AHV gibt es voraussichtlich nicht viel zu optimieren. Richten wir unser Augenmerk also auf die 2. Säule. Dank der betrieblichen Pensionskasse legen Angestellte in Liechtenstein heute 8% (gesetzliches Mindestmass) ihres Lohns auf die Seite, davon gehen je 4% des Monatslohns zu Lasten der Arbeitgeber und 4% zu Lasten der Arbeitnehmer. Stellen wir den Vergleich mit den Schweizer Nachbarn an, erschliesst sich hier wertvolles Optimierungspotential. In der Schweiz legen Arbeitnehmer und Arbeitgeber – im Schnitt über die 40 beruflich aktiven Jahre gerechnet – 12,5% Reserven in Form von Pensionskassengeldern an. Das sind nur schon im Minimum 4,5% mehr als in Liechtenstein. Passten wir unser Pensionskassensystem der Schweiz an, hätten wir mehr Geld zur Verfügung, z.B. für die Alterspflege. Dieser Weg würde allerdings verlangen, dass der Vorbezug der Pensionskassengelder eingeschränkt würde, nur auf diese Weise ist das monatliche Geld für die Pflegekosten gesichert.

Neuere Ideen wie das verpflichtende vererbbare Pflegekapital bieten interessante Ansätze, verlangen jedoch vom Einzelnen, dass er über die Mittel zum Sparen verfügt. Wer kein Geld hat, könnte z.B. sein eigenes Pflegekapital indirekt aufbauen, indem er oder sie eine an sich unbezahlte ehrenamtliche Tätigkeit ausübt, dafür würde ihm oder ihr im Gegenzug eine Altersgutschrift erstattet. Damit würde zum einen die ehrenamtliche Arbeit aufgewertet und zum anderen die volkswirtschaftliche Bedeutung der Freiwilligenarbeit vermehrt ins Bewusstsein des oder der Einzelnen und der Öffentlichkeit gerückt. Wir sind auf die Diskussion am kommenden Mittwoch im Landtag gespannt.

Die Fraktion der Freien Liste