Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt eine Baustelle

Es gibt einige wenige, die grundsätzlich dagegen sind, dass Frauen ausserhalb einer Familienrolle tätig werden. Alle anderen finden die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine tolle Sache. Doch wenn es darum geht, die Mittel bereitzustellen, um die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, sinkt die Begeisterung dramatisch. Jetzt, nach der Volksabstimmung zu diesem Thema, wird es noch schwieriger, sich für die ausserhäusliche Kinderbetreuung stark zu machen. Zu leicht kommt ein Vorwurf, der immer erhoben werden kann, wenn das Volk zu einer komplexen Materie seine Meinung kund getan hat: Der FBP-Abgeordnete Rainer Gopp unterstellte der Freien Liste und indirekt auch Regierungsrat Pedrazzini am Donnerstag an der Budgetdebatte im Landtag, mit der Ankündigung, die Mittel für Kindertagesstätten um 300‘000 respektive um 1.5 Mio. Franken (1.3 Mio. Franken für Kitas und Mittagstische sowie 200‘000 für Tagesmütter) erhöhen zu wollen, den Volkswillen zu missachten. Dennoch: Die Nachwahlbefragung habe klar ergeben, dass sich eine Mehrheit für einen Ausbau der ausserhäuslichen Kinderbetreuung ausspricht. Beim Vorwurf der Missachtung des Volkswillens vergass Gopp, dass beim vom Volk abgelehnten Vorschlag der Wirtschaftskammer die Mittel aus der Familienausgleichskasse gekommen wären. Pedrazzini und die Freie Liste schlugen eine andere Finanzierung vor, um genau diesem vom Abgeordneten Gopp festgehaltenen Volkswillen zu entsprechen, nämlich die ausserhäusliche Kinderbetreuung ausbauen zu können. Die Freie Liste wollte aber im Gegensatz zu Familienminister Pedrazzini nicht in Kauf nehmen, mit Einsparungen die Qualität zu verschlechtern oder die Kosten für die Eltern massiv zu erhöhen.

Mehr ausserhäusliche Kinderbetreuung ist also erwünscht. Nur soll das alles offenbar nichts kosten – dann wäre auch die Problematik, dass die häusliche Kinderbetreuung nicht staatlich subventioniert wird, gelöst. Dass dafür Geld zur Verfügung gestellt wird – beispielsweise über eine bezahlte Elternzeit –, dürfte in nächster Zeit jedoch nicht zu erwarten sein. Die Folge: Stillstand, immer noch und voraussichtlich noch für längere Zeit. Denn alle zufriedenzustellen, was nach einer solchen Volksabstimmung gerne rigoros gefordert wird, wird nicht möglich und im Übrigen kaum finanzierbar sein. Gratis wird dieser wichtige Beitrag zur Gleichstellung der Geschlechter und zur stärkeren Nutzung des Arbeitskräftepotentials der Frauen nicht zu haben sein. Es braucht einen mutigen Entscheid, ein starkes Bekenntnis zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch die Bereitschaft, mehr Mittel für die ausserhäusliche Kinderbetreuung zur Verfügung zu stellen.