Augenschein zur Entwicklungszusammenarbeit mit Moldau

Die Republik Moldau befindet sich eingeklemmt zwischen der Ukraine und Rumänien am östlichen Rande Europas. Das Land ist ungefähr so gross wie Belgien und hat ca. 3 Mio. Einwohner, es ist eines der ärmsten Länder Europas.

Der Liechtensteiner Entwicklungsdienst (LED) ist dort seit rund 10 Jahren aktiv, vor allem im Bereich Bildung. Der LED verfügt über ein eigenes Büro in der Hauptstadt Chisinau, das vom Liechtensteiner Pius Frick geleitet wird.

Der LED organisiert dann und wann Reisen in eines seiner Partnerländer und ermöglichst es auch den Landtagsabgeordneten, an dieser Reise teilzunehmen. Auf eigene Kosten, versteht sich. So reisten Helen Konzett Bargetze, Wolfgang Marxer sowie Thomas Lageder von der Freien Liste als auch Karin Rüdisser-Quaderer (VU) und Gerold Büchel (FBP) vom 12. bis zum 16. November in die Republik Moldau, um einen Eindruck von der Arbeit des LED und den Umständen vor Ort zu erhalten. Weiters bestand die Delegation auch aus Angestellten der LED-Geschäftsstelle in Schaan und Mitgliedern des Stiftungsrates.

Die Republik Moldau ist eines der Schwerpunktländer des LED, wo die Angestellten selbst Projekte umsetzen und nicht nur andere Projekte unterstützen. Inhaltlich liegt der Fokus des LED auf der Berufsbildung und auf der Schnittstelle zwischen Bildung und Arbeitswelt. So besichtigte die Delegation verschiedene Schulen und konnte auch mit politischen Entscheidungsträgern vor Ort die Zusammenarbeit von Liechtenstein und der Republik Moldau diskutieren.

Auffällig war in erster Linie, dass die junge Demokratie, die sich gerade im Wahlkampf befindet, grosse wirtschaftliche Probleme aufweist. Die Infrastruktur wurde jahrelang vernachlässigt. Es fehlt eigentlich an allem. Diese Umstände werden insbesondere auch in den vom LED unterstützten Schulen und Institution augenscheinlich. Es fehlt dort am Nötigsten. Gute Fenster und Isolation sind Mangelware, die Gebäude sind marode, manchmal fast schon Ruinen gemessen an Liechtensteiner Standards. Strom ist in den Wohnheimen der Schüler nicht durchgängig verfügbar, die sanitären Anlagen sind schlecht oder gar nicht vorhanden. Küchen oder Aufenthaltsräume sind nur rudimentär ausgerüstet. So teilten sich fast 300 Schüler zwei Kochplatten für Abendessen und Frühstück. Auf 15 Quadratmetern wohnen bis zu sieben SchülerInnen.

Die Infrastruktur ist aber nur das auffälligste Defizit. Auch Unterrichtsmaterialien und qualifizierte Lehrpersonen fehlen. Dies hat zum einen mit der ungenügenden Ausbildung der Lehrpersonen zu tun zum anderen aber auch mit ihrer schlechten Entlöhnung, mit der sie nicht von ihrem Job leben können und daher in die Korruption gezwungen werden. So ist es an der Tagesordnung, dass sich die SchülerInnen zusätzliche Unterrichtsstunden an den Wochenenden einkaufen müssen oder gar direkt für gute Noten bezahlen. Verschiedene Gespräche mit Lehrlingen als auch Schülerinnen und Schülern zeigten dies deutlich auf.

Immerhin hat die Politik diese Probleme erkannt und handelt. Bildungsministerin Maia Sandu hat Massnahmen gegen diese unhaltbaren Zustände ergriffen, die aber anfänglich den Zorn der Bevölkerung im Allgemeinen und der Eltern im Speziellen erregten. So setzte sie durch, dass bei der Matura-Prüfung nicht mehr betrogen werden kann, was die Erfolgsrate von rund 90 Prozent auf unter 50 Prozent sinken liess. Die charismatische Frau ist sich aber bewusst, dass gerade auch im Bereich der Bezahlung der Lehrpersonen aktiv etwas getan werden muss. Nur fehlen ihr dazu zum einen das Geld und zum anderen die Unterstützung des Parlaments. Sie hofft, bei einer Wiederwahl weitere Schritte zur Gesundung des Bildungssektors umsetzen zu können. Das inhaltliche Engagement des LED wird von ihr so hoch geschätzt, dass sie einige Konzepte gar auf Landesebene implementieren will.

Bemerkenswert ist ein Projekt, das sich mit Jungunternehmern beschäftigt. Durch die Unterstützung des LED wird hoffnungsvollen Unternehmern eine Starthilfe geboten, damit sie ihre Ideen in der Selbstständigkeit umsetzen können. So wurde es einer Schneiderin ermöglicht, Maschinen anzuschaffen. Das Unternehmen beschäftigt heute bereits drei zusätzliche Personen und ist im Begriff weiter zu expandieren, wären da nur qualifizierte Fachkräfte verfügbar. Die Schneiderin engagiert sich daher weiterhin für junge Berufsleute, in dem sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen zur Verfügung stellt, um anderen auf die Beine zu helfen und zukünftige SchneiderInnen mit dem richtigen Rüstzeug für die Arbeitswelt zu versorgen. Sicher auch in der Hoffnung, bald eine geeignete Fachkraft zu finden.

Zum Abschluss der Reise machte die Delegation von der Möglichkeit Gebrauch, die Liechtensteiner Fussballnationalmannschaft im Länderspiel gegen die Republik Moldau zu unterstützen. Es war ein spannendes Spiel auf Messers Schneide, das die Liechtensteiner mit Einsatz und Aufopferungswillen mit 0:1 gewinnen konnten. Qualitäten, die beim LED-Team vor Ort mindestens im selben Ausmass vorhanden sind.

Die Delegation konnte wichtige Eindrücke gewinnen und sich versichern, dass die Mittel, die die Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner dort investieren, bestens angelegt sind. Kaum zuvor wurde den Mitgliedern der Delegation jemals so viel Wertschätzung und Dankbarkeit entgegengebracht, darüber war man sich einig. Liechtenstein ist in der Moldau ein Begriff, man kennt unser Land und schätzt uns. Beste Werbung für unser Land. Wir sollten uns daher gut überlegen, bald den internationalen Zielwert für Entwicklungszusammenarbeit zu erreichen. Günstigere und bessere Öffentlichkeitsarbeit für unser Land kann es nicht geben und zudem können wir Menschen, die es wirklich brauchen, effektiv und effizient helfen.

Thomas Lageder