Früher Flüchtlingsstatus, heute Gemeinderatskandidatur

Ursprünglich kam ich vor 15 Jahren aus Tibet nach Balzers. Heute bin ich Liechtensteinerin und bin dankbar, dass ich den Liechtensteiner Pass habe. Ich fühle mich jetzt endlich daheim. Mein Vater musste aus politischen Gründen aus Tibet flüchten und hat meine Mutter, meine Schwestern und mich nachgeholt. Bei meiner Ankunft mit 17 war ich zu alt für die Schule und habe deshalb zuerst Deutschkurse besucht. Dann habe ich eine Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit im LAK Alters- und Pflegeheim gemacht und ein Jahr danach absolvierte ich den Lehrgang zur diplomierten Krisenpädagogin. Heute arbeite ich auf der Chirurgie Abteilung im Landesspital Vaduz.

Ich war lange Zeit hier im Land als Familiennachzug der ersten 18 tibetischen Flüchtlinge registriert. Dies brachte es mit sich, dass ich z.B. in der Ausbildung für obligatorische Sprachreisen nur mit lange im Voraus beantragten Visa in den EU Raum ein- und ausreisen durfte. Dies war nur ein Hemmnis von vielen, mit denen ich tagtäglich zu kämpfen hatte.

Die Tibet-China-Problematik hat mich geprägt und sicher auch mein politisches Interesse geweckt. Ich geniesse es jetzt sehr, wählen und abstimmen zu dürfen, live dabei zu sein. Nun lasse ich mich sogar für den Gemeinderat aufstellen und bin für den Politiklehrgang für Frauen angemeldet. Ich möchte mich für die Wohn- und Lebensqualität im Alter und für die Integration von Ausländern einsetzen.

Ich habe mich immer um eine Integration in der Gemeinde bemüht, pflege aber auch meine Wurzeln. Indem ich mich als Präsidentin der Tibetergemeinschaft Liechtenstein und auch im Vorstand der Tibet Unterstützung Liechtenstein engagiere.

Jangchen Thogurtsang