KiTa-Plätze, wie weiter?

Seit 2011 herrscht ein Ausbaustopp von Kita-Plätzen. Rund 230 Kinder warten auf einen Platz. Die Wartelisten für die Plätze steigen weiterhin an. Sicherlich ist es zu begrüssen, dass im Rahmen der Aufgabenentflechtung zwischen Staat, Gemeinden und Privaten der maximale Nutzen der eingesetzten Mittel erzielt werden soll. Doch wie sieht der Zeitplan aus? Im Volksblatt vom 11. Juli 2013 meint Regierungsrat Pedrazzini auf die Frage, wann mit dem Ausbau begonnen wird: „Sicherlich im Lauf der nächsten Jahre“. Nächsten Jahre? Auch die Beantwortung der Kleinen Anfrage im September-Landtag gibt keine Auskunft, wann mit einem Ausbau der Kita-Plätze zu rechnen ist.

Der frühkindlichen Betreuung sollte eine hohe Priorität zugerechnet werden. Wie Pedrazzini ausführt, wird durch Kinderbetreuungsplätze die Standortattraktivität gesteigert. Die Wirtschaft braucht Kita-Plätze für ihre Arbeitskräfte. Das wird auch von der LIHK gefordert. Das neuerliche Engagement der Hilti AG zeigt dies auch und ist sehr positiv zu bewerten.

Pedrazzini führt in der Beantwortung der Kleinen Anfrage weiter aus: „Für die Gemeinden bietet sich zudem die Möglichkeit, die Standortattraktivität zu steigern. Die Möglichkeit der ausserhäuslichen Kinderbetreuung wird zunehmens ein wichtiger Faktor für Unternehmen im Wettbewerb um gute Arbeitskräfte.“ Aber mit Kita-Plätzen sollte kein Wettbewerb zwischen Gemeinden oder zwischen Unternehmen im Inland gemacht werden. Sondern es geht darum, den Standort Liechtenstein insgesamt zu stärken!

Das Vorhandensein von Kita-Plätzen hat einen zu grossen Einfluss auf viele Ebenen des Staates: Auch Bildung, Gleichstellung, Integration und Chancengerechtigkeit hängen damit zusammen! Es geht in erster Linie um die Kinder! Und zwar um die Kinder aller Einwohnerinnen und Einwohner. Es gibt viele Eltern, Alleinerziehende, aber auch Paare, die es sich leider nicht leisten können die Kinderbetreuung 24 Stunden lang zu übernehmen. Einige sind heute schon von Sozialhilfe abhängig. Daher sollte es vor allem eine staatliche Aufgabe sein, genügend Kita-Plätze zur Verfügung zu stellen und die Kosten dürfen nicht in zu hohem Masse auf die Eltern abgewälzt werden.

Ein hoher Bedarf an Betreuungsplätzen für Säuglinge zeigt, dass Frauen egal ob sie eine gute Ausbildung haben oder nicht, in ihrem Job bleiben möchten. Kita-Plätze braucht es damit auch die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern weiterhin gefördert wird. Es ist ein flexibles Angebot wichtig, damit Eltern auch in Teilzeit ihrer Arbeit nachgehen können.

Bildungspolitisch sind Kita-Plätze von grosser Bedeutung. Denn Bildung beginnt bereits mit der Geburt, schon von Beginn an werden die wesentlichen Vorraussetzungen aller späteren Lernprozesse gelegt. Die ersten Jahre der Kindheit gelten als Zeitfenster mit besonderen Entwicklungs- und Lernchancen. Wollen wir allen die Möglichkeit bieten möglichst eine gute Ausbildung zu bekommen, müssen wir auch genügend Kita-Plätze zur Verfügung haben.

Eine Investition in Kita-Plätze ist eine Investition in die Zukunft. Es geht um die nächste Generation Liechtensteins. Wer finanziert unserer AHV in Zukunft? Wer sind die gut ausgebildeten Arbeitskräfte der Zukunft? Den Sparhebel in der Kinderbetreuung anzusetzen wird sich nicht ausbezahlen.

Andreas Heeb