Laut und intensiv über den „Unternehmer“ der Wirtschaftskammer nachgedacht

„Die Freie Liste hat von Wirtschaft keine Ahnung – von wo auch.“ Der Satz sticht ins Auge. Aus dem Magazin „Unternehmer“, herausgegeben von der Wirtschaftskammer. Es ist eine Kritik am Willen, eine Erhöhung des gesetzlichen Minimuns bei der betrieblichen Pensionskasse anzustreben. Dagegen wehrt sich die Wirtschaftskammer und sieht kein Problem darin, dass immer mehr Minimalversicherte im Alter Ergänzungsleistungen beanspruchen. Und weiter tönt es dramatisch: „Die KMUs stehen heute durch Preisdruck, Bürokratie und steigende Lohnnebenkosten am Rand des Ruins…“ Aha. Da ist auch die Politik schuld, klar! Denn wenn sämtliche KMUs in Liechtenstein heute wegen politischer Fehlentscheidungen ruiniert sind, dann ist es ja geradezu ein Wunder, wie gut die Politik diesen Ruin zu kaschieren weiss, kurz bevor der Staat untergeht. Und die Unternehmer schweigen auch. Das ist sicher nur, weil man in Liechtenstein schon als Kind mitbekommt, man solle nicht jammern.

 

Aber der „Unternehmer“ kennt noch mehr Schuldige: Er weiss, dass auch die Regierung mit den Weissen unter einer Decke steckt, also auch die VU und die FBP. Das glaubt, ja weiss die Wirtschaftskammer.

 

Nun weiss ich auch – wegen der Wirtschaftskammer – dass mein Mann mit Pensionskasseneinlagen von 8% sich, mich und unsere Kinder weiterhin glücklich machen kann. Da bin ich endlich beruhigt und mache mir als Gwerbler-Gattin und Freizeit-Landtagsabgeordnete keine Gedanken und Sorgen mehr über etwas, von dem ich nichts verstehe.

Das während 40 Jahren zusammengesparte Alters-Pensionskassengeld von einer Viertelmillion ist ja auch viel. Da massier ich meinem Mann dann nach der Pension den durchtrainierten Rücken, der über 5 Jahrzehnte täglich 9 ½ Stunden geformt wurde. Und freue mich daran, dass die Politik in der Frage nochmals eine Runde dreht. Ich bin ja auch beruhigt, dass wir zur Not und falls wider Erwarten nötig, Ergänzungsleistungen des Staates in Anspruch nehmen können. Diese Quersubvention an die Wirtschaft kostet ja den Steuerzahler sicher nicht viel. Und mit den neuen medizinischen Wundermitteln wird man ja 100, und so freuen wir uns auf die Zukunft. Dank der Wirtschaftskammer. Die versteht die grossen wirtschaftlichen Zusammenhänge.

Helen Konzett Bargetze, Landtagsabgeordnete der Freien Liste