Liechtenstein – Land der Gegensätze

Liechtenstein hat das Kyoto-Protokoll unterschrieben und sich verpflichtet, den Ausstoss an Treibhausgasemissionen zu verringern. Dabei böte sich im Verkehrsbereich ein grosses Reduktionspotential für den Austoss von Treibhausgasemissionen an, wie das Amt für Umwelt in einem Zeitungsbericht mitteilt. Liechtenstein habe auch das Kyotoprotokoll erfüllt – dank im Ausland erworbenen Emissionsgutschriften.

In der gleichen Ausgabe wird der soeben erschienene Verkehrsdienstbericht erwähnt, in welchem steht, dass für den öffentlichen Verkehr wieder eine halbe Million Franken weniger an Mitteln zur Verfügung stehen werden, da der Landesbeitrag erneut gekürzt werden soll.

Die Freie Liste hat in einem Postulat gefordert, dass die Regierung einen Vorschlag für eine CO2-abhängige Motorfahrzeugsteuer ausarbeitet. Die Antwort der Regierung an den Landtag ist ernüchternd und beschämt. Die Regierung sieht keinen Handlungsbedarf und möchte weitermachen wie bisher. Es soll also nichts unternommen werden, den CO2-Ausstoss des Autoverkehrs zu reduzieren.

Ganz anders beim öffentlichen Verkehr, für den jährlich Veränderungen veranlasst werden. Es wurde angekündigt, dass erneut der Rotstift angesetzt wird. Seit 2010 wurde der Staatsbeitrag um 25 Prozent, von 18.5 Mio. Franken auf geplante 14 Mio. Franken im Jahr 2015 gesenkt. Dies hat massivste Auswirkungen auf die Benützer des öffentlichen Verkehrs: Die Billetpreise sind seit 2010 um 400 Prozent von 80 Franken auf 320 Franken gestiegen. Weitere Erhöhungen sind vorprogrammiert. Ausserdem musste der Fahrplan um einige Verbindungen ausgedünnt werden. Mit der erneuten Reduktion des Staatsbeitrages besteht nun die Gefahr, dass das Ausdünnen des Fahrplanes nicht mehr genügen wird, es werden vielleicht ganze Linien gestrichen.

Der öffentliche Verkehr ist für viele Menschen das einzige Transportmittel im Land. Viele Menschen, Ältere und vermehrt Junge, können oder wollen sich kein Auto leisten.

Fahren 40 Personen von Mauren nach Vaduz mit dem Bus, sind dies 40 Autos weniger auf der Strasse. Das bedeutet weniger CO2-Ausstoss und weniger Verkehrsaufkommen.

Jährlich bezahlen wir Hunderttausende von Franken an Emissionsgutschriften ans Ausland, damit wir im Inland die Treibhausgase beim Verkehr nicht reduzieren müssen.  Das Geld, welches ins Ausland fliesst, wäre mit einer konsequenten Förderung des öffentlichen Verkehrs sinnvoller und nachhaltiger investiert.

Und hier gleich noch ein Aufruf an alle Busnutzerinnen und Busnutzer und an alle, die jemanden kennen, der auf einen guten dichten Fahrplan angewiesen ist: Meldet euch bei euren Landtagsabgeordneten (Adressen sind unter www.landtag.li abrufbar) und bei euren Gemeinderäten.

Patrick Risch, Stellvertretender Landtagsabgeordneter der Freien Liste