Liechtenstein und die «satanische Schwulenlobby»-Bekämpfer

Was würden Sie sagen, wenn Ihr Party-Raum gemietet wird, um am Untergang Europas zu arbeiten? Wenn sich dort Leute mit mehr Macht als Sie und wir je haben werden treffen, um ihren Kreuzzug gegen hart erkämpfte Werte wie Gleichheit und Freiheit zu planen. Wenn diese Leute die «satanische Schwulenlobby» bekämpfen wollen und ideologisch einen machtgierigen Typen unterstützen, der mit eiserner Hand jegliche Opposition unterdrückt und gegen Homosexuelle hetzt. Wenn dieser Typ Putin heisst und die Meinungs- und Pressefreiheit mit Füssen tritt, um Minuten später die Einheit seines russischen Volkes heraufzubeschwören. Sie wären wohl ebenso wenig erfreut wie wir. Genau so hat es sich vor gut einer Woche im Stadtpalais Liechtenstein in Wien zugetragen. Die Leute waren russische Antisemiten, bulgarische Rechtsextreme und Europas Rechtspopulisten um Strache und Le Pen. Aufgedeckt hat das geheime Treffen der Tages-Anzeiger. Aufgegriffen wurde es von diversen Medien u.a. in der Schweiz, Österreich, Deutschland. Der Name Liechtenstein musste also von abertausenden von Leuten in Zusammenhang mit solchen Gestalten gelesen werden – ein Imageschaden, den kein Sechseläuten-Auftritt je glätten kann. Wenn nun eine der Zeitungen nachfragen würde, wie Sie zu dieser fragwürdigen Veranstaltung in Ihrem Party-Raum stehen, was wäre Ihre Antwort? Würden Sie sich für «Da kann ich doch nichts dafür» entscheiden? Oder für «Mit diesen Leuten möchte ich nichts zu tun haben»? Liechtensteins Botschafterin in Wien und die verwaltende Palais Liechtenstein GmbH entschieden sich bislang für Variante 1. Das Fürstenhaus schweigt. Wir haben direkt beim Fürstenhaus nachgefragt, was sie von der ganzen Sache halten. Eine Antwort steht noch aus. Wir hoffen auf Variante 2.

Junge Freie Liste