LIEmobil in der Zwickmühle

So langsam wird es augenscheinlich, dass die Kürzungen der Zuschüsse an LIEmobil von über 25 Prozent des Gesamtbudgets, diese entspricht rund 4.5 Mio. Franken pro Jahr, mit Einschränkungen einhergehen, ja einhergehen müssen. Dabei ist LIEmobil kein Vorwurf zu machen. Weniger Geld bedeutet zwangsläufig weniger Leistung. So funktioniert ein System nach wirtschaftlichen Grundsätzen nun einmal.

Malbun und Schellenberg gehören nun definitiv zur Peripherie und sind gerade während den Hauptzeiten nur noch stündlich mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar. Gaflei ist gar fast nur noch mit dem Ruftaxi ohne Auto an die Linie 21 Richtung Alpengebiet angebunden. Auch in Planken leidet der Service Public, vor allem abends müssen die Nutzer gut planen und dem Ruftaxi frühzeitig Bescheid geben. Aber auch auf den Hauptlinien findet eine gewisse Ausdünnung des Angebots an Randzeiten statt.

Es ist fraglich, ob die Reduktion der Beiträge mit gleichzeitiger Reduktion des Angebots den Eigenfinanzierungsgrad der LIEmobil gegen die angestrebten 35 Prozent ansteigen lässt oder ob nicht das Gegenteil passieren wird. Denn die Attraktivität des Öffentlichen Verkehrs sinkt seit nunmehr zwei Jahren in einem atemberaubenden Tempo. Potentielle Kunden überlegen es sich zweimal, ob das Angebot der LIEmobil für sie noch nutzbar ist oder ob ein Umstieg auf den motorisierten Individualverkehr nicht doch die schnellere, besser Lösung darstellt. Klar ist ohnehin, dass die Preise weiter steigen werden, ohne dass das Angebot Schritt halten wird. Zeichnet sich ein auch hier ein strukturelles Defizit begründet durch unkluge Entscheidungen ab?

All das steht in krassem Gegensatz zu den wachsenden Mobilitätsbedürfnissen der Bevölkerung im Allgemeinen und der Wirtschaftstreibenden im Besonderen. Das Wachstum an Arbeitsplätzen ist ungebremst. Die Pendlerzahlen steigen weiter an, ein Ende ist nicht in Sicht. Logisch und volkswirtschaftlich klug wäre es, den zusätzlichen Verkehr möglichst über den öffentlichen Verkehr und den Langsamverkehr abzuwickeln. Neue Strassen zu bauen ist teuer, der Platz ist nicht vorhanden.

Es braucht kaum hellseherische Fähigkeiten, um ein Ansteigen von Stauzeiten vorauszusagen. Diese werden uns alle Nerven kosten und unserer Wirtschaft und somit unserem Wohlstand als auch unserer Lebensqualität schaden.

In nicht allzu ferner Zeit werden Frau und Herr Liechtensteiner aber einen richtungsweisenden Entscheid fällen müssen. S-Bahn FL.A.CH oder nicht S-Bahn FL.A.CH wird die Frage sein. Die Frage wird auch sein, ob wir wollen, dass die ÖBB 45 Mio. Euro in unser Schienennetz investiert. Die Frage wird sein, ob wir wollen, dass das Bahntrassee barrierefrei gestaltet werden kann. Die Frage wird sein, ob wir Nendeln ein Dorfzentrum erlauben. Die Frage wird sein, ob wir das Stauproblem verschärfen wollen. Die Frage wird sein, ob wir unseren Standort stärken wollen. Die Frage wird sein, ob ein Weiterkommen mit dem Auto in Zukunft möglich sein wird.

Gerade der Autofahrer mit einer schwarzen Nummer am Wagen muss sich bewusst sein, nur wenn die Österreicher und Schweizer in der S-Bahn FL.A.CH sitzen, werden sie weiterhin einigermassen effizient an ihren Zielort kommen.

Eine Ablehnung der S-Bahn FL.A.CH bedeutet unmissverständlich, dass sich die Arme der Tunnelspinne nach Liechtenstein bohren werden. Ein Ablehnung der S-Bahn FL.A.CH bedeutet, dass alleine wir die Kosten für den Mehrverkehr tragen werden. Eine Ablehnung der S-Bahn FL.A.CH bedeutet, dass wir zur Drehscheibe für den internationalen Schwerverkehr auf der Strasse und der Schiene werden. Es wird heissen Hamburg – Nendeln – Mailand. Es wird heissen Wien – Nendeln – Lyon. Jeweils mit Pinkelpause für die Brummifahrer am Zoll in Schaanwald.

Die Herausforderung ist erheblich. Die Regierung täte gut daran der Bevölkerung endlich die Vorteile der S-Bahn FL.A.CH zu erläutern und vor allem die Konsequenzen einer Nicht-Realisierung aufzuzeigen.

Schon heute ist es so, dass die lediglich neun Kurse des Regionalzugs von Feldkirch nach Buchs und umgekehrt von rund 1000 Personen pro Tag benutzt werden. Klar, denn ein Österreicher kommt für gerade einmal 1 Euro zu seinem Arbeitsplatz und wieder nach Hause. Ein ideales Angebot, wenn man weiss, dass ¾ der Einpendler aus Österreich Schaan abwärts arbeiten und dass das S-Bahn Angebot in Vorarlberg ausgezeichnet ist.

Das Volk wird das letzte Wort haben. Hoffen wir, dass es nicht das Amen für unsere Erreichbarkeit bedeuten wird.

Thomas Lageder, Abgeordneter der Freien Liste