Monitoring-Bericht 2013 – nichts als Schönfärberei!

Das Ziel 5 «Natürliche Lebensgrundlagen sichern» der Agenda 2020 wird im Monitoringbericht 2013 als positiv bewertet, das heisst, dass sich der Bereich in Richtung des strategischen Ziels entwickelt: Er liegt laut Bericht «klar» im grünen Bereich, da fünf der acht Indikatoren als positiv, zwei als neutral und ein Indikator als negativ bewertet werden.

Die Zielsetzung dieses Teilbereichs der Agenda besagt, dass «Dank einer ressourcen-schonenden und nachhaltigen Entwicklung die natürlichen Lebensgrundlagen für künftige Generationen erhalten bleiben» sollen. Laut Zielrichtung der Agenda soll der Schlüsselindikator «Nachhaltigkeit» erhöht werden.

Schaue ich mir die fünf Bereiche die positiv bewertet werden genauer an, stimmt mich dies skeptisch:

•Die Siedlungsfläche pro Einwohner blieb im untersuchten Zeitraum seit 1984 auf konstant hohem Niveau: 473 m2 (vgl. CH: 397 m2). Von einer Verbesserung in Richtung «Nachhaltigkeit» kann also in diesem Bereich nicht gesprochen werden. Schaut man sich die absoluten Zahlen an, erhöht sich die Siedlungsfläche Jahr für Jahr. Dies wird daher in der Umweltstatistik 2012 auch als negative Entwicklung bewertet.

•Im zweiten Bereich wird der Anteil der ökologischen Ausgleichsflächen an der landwirtschaftlichen Nutzfläche analysiert. Die Zielsetzung von 15% wird seit dem Jahr 2007 erreicht und beträgt derzeit 15.6%. Dieser Wert ist an sich auch positiv zu bewerten. Äusserst bedenklich ist jedoch, dass er als einziges Kriterium im Monitoringbericht zur Bewertung der Biodiversität verwendet wird. Nach wie vor ist eine hohe Anzahl an Arten bei uns gefährdet: 34% der Brutvögel, 67% der Reptilien, 63% der Amphibien, 71% der Fische, 100% der Krebstiere und 17% der Farn- und Blütenpflanzen sind gefährdet. Die Umweltstatistik 2012 bewertet den Zustand der Biodiversität daher auch klar negativ!

•Der tägliche Trinkwasserverbrauch hat zwar seit dem Jahr 2000 abgenommen, liegt aber mit 840 Liter pro Einwohner massiv über dem Schweizer Wert von 325 Litern. Dies mag sicherlich mit unserem hohen Industrialisierungsgrad zusammenhängen, aber sich auf die Schultern zu klopfen und diesen sehr hohen Trinkwasserverbrauch als positiv zu bewerten, ist fehl am Platz und entspricht nicht dem Nachhaltigkeitsgedanken.

•Die beiden Bereiche CO2-Intensität der Volkswirtschaft und Energieintensität der Wirtschaft sind Dank des steigenden Bruttoinlandprodukts gesunken. Die Umweltstatistik bewertet den Trend bei den Treibhausgasemissionen nicht als positiv, obwohl sich die Emissionen seit 1990 etwas reduziert haben. Der Zielwert des Kyoto-Protokolls – die Reduktion der Emissionen gegenüber 1990 um 8% – wurde nämlich noch nicht erreicht. Auch nach Erreichen dieses Zielwerts ist das Schiff «Erde» immer noch auf Kurs Richtung Schiffbruch. Die Fahrt verlangsamt sich zwar ein wenig, aber um den Kurs zu wenden, muss noch viel mehr getan werden. Damit der kritische Temperaturanstieg von 2°C nicht überschritten wird, müssen die Emissionen nicht nur um 8%, sondern bis im Jahr 2050 um bis zu 80% gegenüber 1990 verringert werden!

Die Umweltstatistik 2012 bewertet von 27 Indikatoren nicht die Hälfte als positiv. Im Monitoringbericht 2013, der sich auf die Umweltstatistik 2012 beruft, werden acht Indikatoren verwendet und fünf davon als positiv bewertet. Der Monitoringbericht 2013 ist bezüglich Ziel 5 nichts als Schönfärberei und bildet die Realität in keinster Weise ab! Von Nachhaltigkeit kann noch lange nicht gesprochen werden.

Andreas Heeb