Öffentlicher Raum gehört allen

Jede und jeder sollte ein Interesse daran haben, ihren oder seinen eigenen Lebensraum, insbesondere das Geschehen in der Wohngemeinde, mitzugestalten. Ich würde mich gerne auf der politischen Ebene einbringen, da es ein spannendes Feld ist. Die Politik erfüllt auch eine besondere Funktion: Sie ist dafür verantwortlich, dass in anderen Feldern jede und jeder möglichst gleiche Chancen hat, sich einzubringen.

In diesem Sinne möchte ich mich unter anderem dafür einsetzen, dass bei der Zentrumsgestaltung in Vaduz auch tatsächlich «Gnuag Platz för alli» geschaffen wird. In diesem Fall ist dies weniger eine Frage, wie viel Platz zur Verfügung gestellt wird, sondern vielmehr, wie der Platz genutzt wird. Deshalb lohnt es sich, die Idee weiter zu verfolgen, dass verschiedene Räumlichkeiten nicht von vornherein bestimmten Nutzern zugesprochen werden, sondern dass sie von verschiedensten Interessenten genutzt werden können.

Selbstverständlich sollen grössere Interessengruppen den öffentlichen Raum oder andere öffentliche Ressourcen stärker beanspruchen dürfen. Doch wenn diese Gruppen über das Grössenverhältnis hinaus bevorzugt werden, müssen diese Privilegien sehr gut begründet werden. Tradition ist dabei kein Argument. Zwar treten die Freie Liste und auch ich für Werte ein, die keinesfalls neu sind. Gleichheit ist spätestens seit der Französischen Revolution ein Wert, für den es sich einzustehen lohnt. Doch mit diesen Werten ist kein konservatives Denken verbunden – ganz im Gegenteil: ein strukturprogressives Denken.

Den Veränderungen in der Gesellschaft muss die Politik folgen, wenn sie für alle da sein will. Sie muss sich sogar darum bemühen, Veränderungen vorwegzunehmen, wenn sie den Interessen künftiger Generationen Rechnung tragen will. Privilegien aufzugeben, Identitäten zu verändern ist zwar ein schmerzhafter Prozess. Doch es gibt auch viel zu gewinnen.

Richard Brunhart, Gemeinderatskandidat von Vaduz