Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die laufende Vernehmlassung über die «Neuregelung der Finanzierung der ausserhäuslichen Kinderbetreuung» bzw. viel mehr die Debatte, welche allein schon eine Vernehmlassung auslöst, war mit ein Grund, eine aktuelle Stunde zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf anzuberaumen.

Da greifen Ärzte zum Leserbrief-Stift, da werden Erziehungsexperten und –Expertinnen bemüht, da wird hoch-emotional debattiert. Da bekommen Abgeordnete für Äusserungen nicht ganz unberechtigt ihr Fett ab.

Im Kern läuft dann alles darauf hinaus, dass die häusliche gegen die nicht-häusliche Erziehungsarbeit ausgespielt wird – Mamas gegen Rabenmütter. Man gewinnt den Eindruck – dass es «nicht nur» ums Geld geht, sondern dass mit einer Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Tabubruch begangen wird, der einer Zerstörung des ach so vertrauten Familien-Idealbildes Vorschub geleistet wird – wenn sich in diesem Bereich etwas ändert – oder verbessert!

Dabei sind der Zwang und das Bedürfnis nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf schon heute gegeben – ja das Bedürfnis kann heute nicht im nachgefragten Umfang gedeckt werden.

Dass Familie und Beruf vereinbart werden müssen, ist wohl für 60 Prozent der Haushalte schon heute eine Tatsache. Nur knapp bei einem Drittel der Familien ist heute der Mann Alleinverdiener. Dass der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit arbeitet, ist heute mit knapp 50 Prozent das Standardmodell.

Wenn man heute von der guten alten Zeit spricht, darf nicht verkannt werden, dass das angeblich heutige Familienideal überhaupt erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstärkt aufgekommen ist und Frauen wohl zu allen Zeit einen ganz erheblichen Teil zum Familieneinkommen beitrugen. In der Vergangenheit vielleicht weniger monetär, dafür rund um Haus und Hof. Und auch heute noch soll die Berufstätigkeit von Frauen offenbar nicht sichtbar sein – ja und schon gar nicht offiziell gefördert.

Zumindest wurde eine solch stereotype Sichtweise im Bildungswesen spät, aber doch irgendwann aufgegeben. Frauen haben heute mindestens gleich hohe Bildungsabschlüsse wie Männer, aber die Chancengleichheit der Frauen im Beruf und in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hinkt hinterher.

Ökonomische Auswirkungen sind im Prinzip Investitionsverluste der Frauenausbildung bei gleichzeitiger Nicht-Inanspruchnahme dieses Potentials.

Noch ein Wort zu den Finanzierungsmechanismen der heutigen Kinderbetreuung – einerseits der häuslichen, anderseits der ausserhäuslichen – und wieso diese fast nichts bis gar nichts miteinander zu tun haben. Geäusserte Gedanken, dass die Kita-Förderung zu einer Benachteiligung der häuslichen Erziehungsarbeit führe, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

Kinder werden heute einheitlich über Geburtszulagen und das monatliche Kindergeld unterstützt. Einziges Kriterium ist, ein Kind zu haben. Hier leistet die Wirtschaft – als einziger Einzahler in den FAK-Topf – einen Familien-Sozialbeitrag.

Die Subvention der ausserhäuslichen Kinderbetreuung verfolgt einen Mehr-Wert – mit der Wahlfreiheit für Mütter und Väter, am Erwerbsprozess direkt teilzuhaben. Ansatzpunkt ist nicht das einzelne Kind, sondern der in Anspruch genommene Betreuungsplatz.

Dies hat nicht unerhebliche Kostenfolgen für die Eltern. Die Finanzierung übernehmen dafür Staat und Gemeinden sowie ganz massgeblich die von der Wirtschaft finanzierte FAK. Insofern ist die Subventionierung kein Sozialbeitrag per se, sondern vielmehr eine Förderung zugunsten der Arbeitnehmerschaft und der Wirtschaft als Ganzes. Und sie hat eine Rendite.

Der Subventionierung steht eine Reihe vor Vorteilen gegenüber. Damit eine spürbare Verbesserung des Haushaltseinkommens erzielt wird, müsste das Bruttoeinkommen über CHF 5,500 liegen. Es ist davon auszugehen, dass sich eine Erwerbstätigkeit für Mütter ohne Subventionierung der KITA’s schlicht nicht lohnen würde – und folglich nur mit Subventionierung die erwünschte Wahlfreiheit erreicht wird.

Als Makel, der auch in der Vernehmlassungsvorlage nicht korrigiert wird, erachte ich: es gibt keine Abzugsmöglichkeit dieses Eltern-Betreuungsgeldes in der Steuererklärung, der Aufbau einer eigenständigen Vorsorge-‚Karriere‘ ist ohne Zweifel ein grosser Nutzen für die Wirtschaft. Die immateriellen Gewinne durch die erreichte Wahlfreiheit versuche ich gar nicht zu quantifizieren.

Genau in diesem Sinne ist die angesprochene Vernehmlassungsvorlage ein Schritt in die richtige Richtung, ein grosse Fortschritt.

Wolfgang Marxer, Landtagsabgeordneter der Freien Liste