Vermögen der Reichen legt stark zu

Es wird in derzeit rege über Verteilungsgerechtigkeit diskutiert: Gerade VU und DU Abgeordnete betonen dabei häufig, dass «den Reichen im Land ein Kränzchen gewunden werden muss», weil sie besonders viel zur Staatskasse beitragen. Einige Abgeordnete begründeten ihre Ablehnung der einfachen Initiative «Erwerbsabhängige Krankenkassenprämien» damit, dass sie nicht wollen, dass Reiche einen grösseren Beitrag als bisher für das Gesundheitswesen beitragen sollen.

Es wird dabei gerne verschleiert, was einige Studien aufzeigen: Reichen bleibt prozentual nach Steuerabgaben, Abgaben für die Krankenkasse und Sozialabgaben Ende des Monats einiges mehr übrig bleibt als Verdienern aus dem Mittelstand. Regierungschef Adrian Hasler erklärte jüngst gar, die Steuerprogression wirke deutlich, was nicht der Fall ist.

Die neueste Steuerstatistik hingegen zeigt, dass sich die soziale Schere rasant öffnet.

In sehr wenigen Ländern ist das Vermögen so ungleich verteilt wie in Liechtenstein. Die Steuerstatistik belegt, dass Menschen mit hohem Vermögen zwischen 2011 und 2014 einen Vermögenszuwachs von 42 Prozent erzielt haben. Die Hälfte der Bevölkerung, die im Schnitt weniger als 32’500 Franken pro Person an Vermögen hat, konnte im gleichen Zeitraum nur um 26 Prozent zulegen.

Heute besitzen 10 Prozent der Bevölkerung über 80 Prozent des Gesamtvermögens. Vor 50 Jahren besassen noch 50 Prozent der Bevölkerung 80 Prozent des Gesamtvermögens. Das wirft Fragen nach der Chancengleichheit in Liechtenstein auf. Wie kann es sein, dass sich gerade das Vermögen der Reichen so rasant vermehrt und 50 Prozent der Bevölkerung nur gut 32’000 Franken pro Person an Vermögen haben? Verantwortlich ist das Steuersystems, das System der Kopfprämien für Krankenkassen und die Lohnungleichheit.

Der internationale Trend, dass Löhne ausgezahlt werden, die nicht im Einklang mit der erbrachten Leistung (der Produktivität) stehen, scheint sich auch hierzulande niederzuschlagen. Der Durchschnittslohn aller Berufstätigen stagnierte, aber die Lohnungleichheit nahm zwischen 2011 und 2014 zu.

Die grossen Unterschiede lassen sich kaum darauf zurückführen, dass Reiche viel mehr leisten als Menschen aus dem Mittelstand. Genau das macht das Ungleichgewicht für eine Gesellschaft gefährlich. Aus dem Vergleich erwächst Frust, was sich auch in der Motivation zur Leistung niederschlagen kann.

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