Weshalb ist ein Mann so selten zu Hause? Sein Bürostuhl braucht ihn!

Obwohl neun von zehn Männern Teilzeit arbeiten wollen, waren es im letzten Jahr nur 14.7 Prozent, die Teilzeit gearbeitet haben. Woran liegt es, dass die meisten Männer weniger arbeiten wollten, aber dies nicht umsetzen konnten?

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine wichtige Voraussetzung für ein ausgewogenes Leben. Die Entlastung der Männer von der „Ernährerrolle“, das Teilen der Verantwortung mit den Müttern sowohl in finanziellen- als auch in den Betreuungsbelangen sind wichtige Voraussetzungen für weitere Fortschritte in der Gleichstellung von Mann und Frau.

Das Unternehmen profitiert

Wir stellen fest, dass viele Liechtensteiner Unternehmen noch immer nicht bereit sind, Teilzeitarbeit auch für Männer anzubieten. Obwohl die Vorteile auf der Hand liegen. Mit innovativen Arbeitszeitmodellen und individuell angepassten Lösungen für die Angestellten investieren moderne Unternehmen in ihr Image. Die Unternehmen erhöhen ihre Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt und punkten bei der Rekrutierung von hochqualifizierten Mitarbeitenden, ein Argument, das beim vorherrschenden Fachkräftemangel Wirkung zeigen wird. Aber nicht nur hochqualifizierte Mitarbeitende wollen Teilzeit arbeiten. Auch weniger qualifizierte Arbeitnehmende haben Familie und möchten Familien- und Erwerbsarbeit unter einen Hut bringen. Unternehmen müssen wissen, dass sich Investitionen in moderne Arbeitszeitmodelle auch ökonomisch lohnen. Eine Studie hat in 20 Schweizer Unternehmen die Kosten und den Nutzen familienfreundlicher Massnahmen ermittelt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Einführung solcher Massnahmen betriebswirtschaftlich rechnet, der Return on Investment beträgt 8 Prozent.

Die Familie profitiert

Kinder sehen, dass Mutter und Vater gleichwertig für Familie und Erwerb zuständig sind. Beide Elternteile können beides! Eine Vorbildfunktion, die bei der späteren Berufswahl ausschlaggebend sein kann, denn Arbeit hat kein Geschlecht. Aber es geht nicht nur um die Kinderbetreuung. Die demographische Entwicklung zeigt, dass auf die Arbeitnehmenden vermehrt Betreuungspflichten für ältere Familienangehörige zukommen. Es stehen immer weniger Frauen zu Verfügung, die Betreuungspflichten übernehmen können oder wollen. Es muss für Frauen und Männer möglich sein, auch in einem späteren Arbeitsleben bzw. Lebensphase Teilzeit zu arbeiten, um Carearbeit zu übernehmen.

Die Gesellschaft profitiert

Je mehr Männer Teilzeit arbeiten, desto mehr Frauen können arbeiten. Unternehmen werden insgesamt mehr Teilzeitarbeit anbieten. Damit sinkt die Zahl der Frauen, die die Hauptverantwortung für die unentgeltliche Familien– und Betreuungsarbeit tragen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Haushalte, in denen das Engagement von Mann und Frau ausgeglichen ist. Wenn die Wertschätzung für die Betreuungsarbeit im familiären Bereich wächst, arbeiten mehr Männer in diesem Bereich. Dies wirkt sich folglich auf die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau aus, weil «typische Frauenarbeit» generell weniger hoch geschätzt und schlechter bezahlt wird. Üben mehr Männer Betreuungs- und Familienarbeit aus, bekommt diese Arbeit einen anderen Stellenwert.Die bessere Verteilung der unbezahlten und bezahlten Arbeit auf beide Geschlechter ist ein Gewinn für alle und trägt zu einer gerechteren Gesellschaft bei.Wir wünschen uns für 2015: Weshalb ist ein Mann so oft zu Hause? Der TrippTrap* braucht ihn!

Petra Eichele, Gemeinderatskandidatin für Schaan