Wie es um das Adoptionsrecht für Homosexuelle steht

19 Länder Europas kennen etwas, das in Liechtenstein noch Zukunftsmusik ist: das Adoptionsrecht für Homosexuelle. In 13 dieser Länder sind Homo- und Hetero-Paare bezüglich Adoptionsrecht gleichgestellt, weitere sechs Länder kennen die Stiefkindadoption für gleichgeschlechtliche Paare. Dabei spricht der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eine deutliche Sprache: 2008 entschied er, dass homosexuellen Personen der Zugang zur Adoption nicht aufgrund ihrer Homosexualität verwehrt werden darf.

Einwohner Europas kritisch

Im europäischen Volk sieht die Stimmung laut Eurobarometer 2006 anders aus. Lediglich ein Drittel der Befragten befürwortet ein Adoptionsrecht, 61 Prozent sind dagegen. Mitteleuropa steht dem Adoptionsrecht dabei offener gegenüber als Süd- und Osteuropa. 69 Prozent der Niederländer, 44 Prozent der Österreicher und 42 Prozent der Deutschen sprechen sich für ein solches aus. Anzumerken ist, dass diese Daten bereits acht Jahre alt sind und die Stimmung sich durchaus verändert haben können.

Schweiz und Österreich gehen voraus, …

Von der rechtlichen Lage her sind viele der befragten Länder mittlerweile einen Schritt weiter – so auch unsere Nachbarn Österreich und Schweiz. Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement EJPD schreibt im November 2013: «Im Interesse des Kindeswohls soll zukünftig die Stiefkindadoption auch für Paare in eingetragenen Partnerschaften möglich sein.» Entsprechende Vorschläge hat der Bundesrat in die Vernehmlassung geschickt. Österreich kennt nach einer Rüge des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte die Stiefkindadoption seit dem 1. August 2013.

…Liechtenstein hinkt nach

Vor drei Jahren sprach sich das Stimmvolk Liechtensteins für die von der Freien Liste lancierte eingetragene Partnerschaft aus. Bereits damals kam das Adoptionsrecht zur Sprache – jedoch meist als zu vermeidendes Recht. «Es ist fraglich, ob es für das Wohl eines Kindes besser wäre, ihm anstelle von Vater und Mutter zwei Mütter oder zwei Väter zu geben», stellte sich etwa die damalige VU-Abgeordnete und heutige Regierungsrätin Marlies Amann-Marxer dem Adoptionsrecht kritisch gegenüber. Auch Fürst Hans-Adam II. äusserte sich bei Radio Liechtenstein klar gegen die Adoption durch Homosexuelle. Selbst die Mitglieder des Lesben- und Schwulenvereins Flay waren geteilter Meinung.

Weg in die Zukunft

Nach der Neuorganisation von Flay als LGBTI-Anlaufstelle gestaltet sich die Lage heute klarer. «Letztlich ist es das Ziel, dass Homosexuelle genau wie Heterosexuelle heiraten und eine Familie mit Kindern gründen können», weist Präsident Lukas Oehri den zukünftigen Weg des Vereins im Liechtensteiner Vaterland. Wie lange dieser Weg wird, bleibt offen. Glaubt man jedoch der Aussage der damaligen Justizministerin Aurelia Frick von 2011, dürfte er – in Anbetracht der Fortschritte unserer Nachbarstaaten – so lange nicht mehr sein: «Im Hinblick auf diesen Punkt [Adoption] vertrete ich nach wie vor die Absicht, dass eingetragene Partner – und da lehnen wir uns an Österreich und auch an die Schweiz an – weder zur Adoption noch zu fortpflanzungsmedizinischen Massnahmen zugelassen werden sollten.»

Sebastian Sele