Wir können und wollen mehr tun

Es gibt viele Flüchtlinge, die an Leib und Leben gefährdet sind und denen wir in Liechtenstein helfen können. Europa als Solidaritätsgemeinschaft muss Lösungen finden, wie die Flüchtlinge gleichmässig über die Länder verteilt werden. Unser Land hat sich humanitär verpflichtet, im gleichen Rahmen wie die anderen Länder einen Beitrag zu leisten – Liechtenstein kann diesen Beitrag gut leisten. In vergangenen Kriegen hat sich Liechtenstein stark engagiert und eine humanitäre Tradition aufgebaut. Unser Land hat es geschafft, Hunderten von Flüchtlingen vorübergehen Schutz zu bieten.
Heute sind trotz der grossen humanitären Katastrophe nicht annähernd so viele Flüchtlinge in Liechtenstein wie zur Zeit des Krieges in Ex-Jugoslawien.
Die Herausforderung für Europa ist gross. Dennoch: Die Angst, Liechtenstein werde von Flüchtlingen überrollt, wie sie teilweise in Artikeln und Leserbriefen geschürt wird, entbehrt jeglicher Grundlage: Liechtenstein hat prozentual weniger Asylsuchende aufgenommen wie Österreich oder die Schweiz. Es waren in den letzten Jahren etwa hundert Menschen pro Jahr, die Asyl angesucht haben und es sind auch in diesem Jahr noch nicht mehr. Es sind nicht «Zigtausende», die «über den Rhein strömen» und es ist keine «Masse», die sich nicht bewältigen lässt, das ist pure populistische Angstmacherei. Auch Überlegungen zu den Ursachen der Kriege, welche die Menschen vertrieben haben, nützen den Vertriebenen in ihrer jetzigen Not wenig. Mittelfristig sollte sich Liechtenstein sicher wieder mit der Frage beschäftigen, ob das Land in der internationalen humanitären Zusammenarbeit (IHZE) genug leistet, hierfür sind alle politischen Parteien gefordert. Es muss aber jetzt gehandelt werden. Die Solidaritätsgemeinschaft Liechtenstein hat ihre Kraft schon öfters bewiesen und ist erneut gefordert: Es gibt und gab viele Menschen, die Flüchtlingen Arbeit geben, die sich mit ihnen zu einem kulturellen Austausch treffen, sie ehrenamtlich in Deutsch unterrichten oder sie in Fragen des täglichen Lebens beraten. Viele Menschen nehmen die Flüchtlinge schlicht herzlich auf, im Wissen, dass sie in ihrer Heimat in Gefahr sind.
Wir freuen uns über jegliche Initiativen aus der Bevölkerung, wie Flüchtlingen pragmatisch und rasch geholfen werden kann. Wir möchten aber auch dringend an unsere Regierung appellieren, sich aktiv in die europäische Flüchtlingspolitik einzubringen und prozentual gleich viele bedrohte Flüchtlinge (unabhängig ihrer Religion) aufzunehmen wie andere europäische Staaten.

Derya Kesci, Petra Eichele, Monica Bortolotti Hug, René Hasler und Pepo Frick für den Vorstand der Freien Liste