Zwischen den Zeilen

Herr Regierungschef

Mit einigen Daten unterfüttert und etwas Interpretation zeigt Ihr Beitrag im «der Monat» von Januar/Februar die gegenwärtige Lage sehr schön auf. Ja, Regierung(en) und Landtag(e) haben die Weichen gestellt: Für die Reichen nach oben, für die weniger Reichen nach unten. Die vergangenen Jahre seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise haben noch mehr gezeigt, nämlich dass Steuergeschenke an die Reichen ganz gut versteckt werden können, wenn nicht so klar zu ermessen ist, welche Gründe wie sehr für einbrechende Steuereinnahmen verantwortlich gemacht werden können. Solche Vorgänge fordern durchaus das Verständnis der Menschen, gerade wenn das Handeln der Verantwortlichen unverständlich ist.

Auf die Solidarität zu verweisen ist keine schlechte Strategie. Dass damit nicht die Solidarität mit den Armen gemeint sein kann, zeigen wieder einige Daten. Die Entwicklungshilfe Liechtensteins vieler Jahre wurde allein durch das Verstecken von Potentatengeldern des Abacha-Clans zunichte gemacht. Gemeint sein wird die Solidarität mit Steuerflüchtlingen aus Hochsteuerländern, die Schutz in Liechtenstein finden konnten. Wie sollten sich die NormalbürgerInnen darüber aufregen, dass die Reichen in Liechtenstein entlastet werden, wenn sie so lange davon profitiert haben, dass die Reichen anderer Länder ihr Geld zu günstigen Konditionen «versteuern» konnten? Nun den Reichen die Solidarität zu kündigen, wenn der eigene Geldbeutel negativ betroffen ist, würde die eigene Doppelmoral offenbaren. Das würde die ganze Vergangenheit in ein schlechtes Licht stellen, was es zu verhindern gilt.

Vielmehr soll an der Vergangenheit angeknüpft werden, schliesslich war damals vieles besser. Das Land soll weiter prosperieren – es gilt also für Wirtschaftswachstum zu sorgen. Was dieser Wachstumswahn an negativen Konsequenzen mit sich bringt zeigt unter anderem das Indikatorensystem für eine nachhaltige Entwicklung. Doch mit einer gesunden Portion Optimismus können die negativen Konsequenzen des Handelns leicht ignoriert werden – zumindest eine Weile noch.

Wenn es einmal nicht mehr so einfach ist, wenn nicht mehr so viel Geld da ist, um sich Lebensqualität und Lebenszufriedenheit zu kaufen, bleibt noch eine andere Sicht auf die Welt, dass alles schon seine Richtigkeit hat. Wer das anders sieht, hat eben die falschen Werte im Auge. Ich freue mich schon auf ein Umerziehungslager!

Richard Brunhart