Demokratisch 14. März 2026 Manuela Haldner-Schierscher

Warum «Remigration» kein neutraler Begriff ist

In mehreren Leserbriefen soll uns weisgemacht werden, das Wort «Remigration» sei ein harmloser, sachlicher Fachbegriff, der lediglich die Rückkehr von Menschen in ihre Herkunftsländer beschreibe. Diese scheinbare Selbstverständlichkeit erfordert eine Erwiderung. Denn was hier passiert, ist eine sprachliche Verharmlosung einer zutiefst menschenfeindlichen Ideologie. Ob das bewusst geschieht oder aus Unkenntnis – die Wirkung bleibt dieselbe.

Liechtenstein ist klein, aber kein abgeschlossenes Land. Was in unseren Nachbarstaaten an politischen Strömungen erstarkt, macht auch vor unseren Grenzen nicht halt. Der Versuch, den Begriff «Remigration» in der öffentlichen Debatte zu normalisieren, ist kein akademischer Diskurs. Er ist Teil einer gezielten Strategie der europäischen Neuen Rechten, Massenausweisungen salonfähig zu machen, indem man sie in unverfäng­liche Worte kleidet.

In der Wissenschaft bezeichnete dieser Begriff die freiwillige Rückkehr von Migrantinnen und Migranten, historisch etwa die Rückkehr jüdischer Überlebender aus dem Exil. Heute ist er von der Identitären Bewegung und verwandten rechtsextremen Netzwerken systematisch umbesetzt worden.
Solche Sprachstrategien erfüllen eine klare Funktion: Ein neutral klingendes Wort wird eingesetzt, um eine menschenverachtende Forderung in die Mitte des Diskurses zu tragen. Der ideologische Rahmen wird mitgeliefert, ohne dass man ihn explizit benennen muss. Die extreme Rechte arbeitet seit jeher gezielt mit Sprache.

So wird Wort für Wort die Grenze des Sagbaren verschoben, bis zuvor Undenkbares akzeptabel erscheint.
Wer über Migrationspolitik sachlich debattieren möchte – und das ist eine legitime, notwendige Debatte – hat dafür präzise, rechtlich gefasste Begriffe zur Verfügung. Diese benennen klar, was sie meinen. «Remigration» tut es nicht. Es verschleiert die wahre Absicht. Das ist kein Versehen, sondern Methode.