Partei 1. Juli 2026

Die Freie Liste trauert um Helen Marxer-Bulloni

1985 unterzeichnete Helen das Gründungsprotokoll der Freien Liste. Ihre Handschrift, ihre Ideen und ihr Antrieb stehen ganz am Anfang der Parteigeschichte. Zu einer Zeit, die auch das Ende der Partei bedeuten hätte können, war sie es wieder, die als Co-Präsidentin blieb, obwohl Gehen leichter gewesen wäre. Diese beiden Momente sind dokumentiert, sie stehen in Protokollen und Zeitungsartikeln. Über vierzig Jahre lang hat Helen aber auch etwas gemacht, das in der Chronik nur selten auftaucht: Sie hat Menschen und Themen miteinander verbunden, dafür gesorgt, dass eine Information die richtige Person erreicht, dass jemand von einer Veranstaltung erfährt, dass ein Anliegen nicht im Sand verläuft, weil sie es nie aufgegeben hat. In anderen Zusammenhängen spricht man von Sorgearbeit, wenn es um Familie geht, um Pflege und um Beziehungen, die eine Gemeinschaft zusammenhalten. Auch politische Bewegungen brauchen genau diese Arbeit, die hinter den Kulissen geschieht, abseits von Reden oder Mandaten. Und kaum jemand hat sie so lange, so gewissenhaft und so beharrlich geleistet wie Helen.

Bevor Helen aber eine Partei mitgründen konnte, die sie wählen wollte, musste sie zuerst dafür kämpfen, überhaupt wählen zu dürfen. Aktion Dornröschen, die Reise nach Strassburg 1983, das Frauenstimmrecht 1984, die Verfassungsklage 1997 für die gleichberechtigte Weitergabe der Staatsbürger:innenschaft. Helen war ein prägender Teil all dieser Meilensteine, sie hat keine Arbeitsgruppe und keine Aufgabe gescheut. Sie war bei jedem Frauenstreik im Land dabei, bis auf den letzten, für den sie sich krankheitsbedingt entschuldigen musste. Entschuldigt hat sie sich erst kürzlich auch dafür, dass sie bei dem erneuten Anlauf für eine Fristenlösung in Liechtenstein nicht mehr so aktiv mithelfen könne. Dass es ihr dieses Mal nicht möglich sei, an vorderster Front für ein Anliegen zu kämpfen, das sie schon seit der Gründung der Freien Liste forderte.

Wie gerne würden wir Helen nochmals sagen, dass es nichts zu entschuldigen gibt. Ganz im Gegenteil. Wie gerne hätten wir diesen einen und weitere Erfolge für die Frauenrechtsbewegung mit ihr gefeiert.

Zum zwanzigsten Jubiläum der Partei schrieb Helen, sie wünsche sich für die Freie Liste ein langes Leben, und dass diese für jene, die immer noch glauben, die Welt könne verbessert werden, eine Hoffnung bleibe. Darin lag auch ihre eigene Methode: Mit jeder E-Mail, jeder Anekdote und jeder Veranstaltung, an der sie teilnahm, hat sie in all den Jahren dafür gesorgt, dass diese Hoffnung nie verloren ging.

Liebe Helen, die Lücke, die du hinterlässt, ist gross. Das Fundament, das du geschaffen hast, und der Kampfgeist, der weiterlebt, sind es genauso.

Freie Liste