Sozial 25. Mai 2024 Georg Kaufmann

Politische Frage der Woche — Arbeitende Rentner:innen

An der Generalversammlung der Wirtschaftskammer stellte der scheidende Präsident Martin Meyer seine Idee zur Bekämpfung des Fachkräftemangels vor. Arbeitnehmende, die nach der Erreichung des offiziellen Rentenalters weiter arbeiten wollen, sollen von Steuern und Sozialabgaben befreit werden. Dem Staat würden dadurch keine Steuereinnahmen entgehen, da diese Einkünfte aufgrund des Pensionsalters nicht budgetiert wären, und die Arbeitnehmenden wiederum hätten einen Anreiz, um zu arbeiten.

 
Sollen arbeitende Rentner von den Steuern befreit werden?

Als direkt Betroffener kann ich diesen Ideen des scheidenden Wirtschaftskammer Präsidenten Meyer nichts abgewinnen. Eine Befreiung von Steuern und Sozialabgaben als Anreiz, über das Pensionsalter hinaus zu arbeiten, verkennt meines Erachtens die Fragen, die sich im Übergang vom Arbeitsleben ins Rentenalter stellen. Nicht externe Anreize sind es, die mich motivieren, auch mit bald 70 noch einer Arbeit nachzugehen, sondern eine sinnvolle Aufgabe, die ich flexibel mit Freude und in Teilzeit ausüben kann. Und vor allem konnte ich diesen Weg schon einige Jahre vor der Pensionierung einschlagen. Hier liegt für mich denn auch der erfolgreichere Weg: Arbeitgeber wären gefordert, zusammen mit ihren Mitarbeitenden ab dem 60. Lebensjahr flexible und individuelle Übergangsszenarien zu planen und umzusetzen. Flexibel und individuell, weil Menschen nach einer mehr als 40jährigen Arbeitsleistung es verdient haben, dass gezielt auf deren Bedürfnisse eingegangen wird. Die einen möchten bis zum ordentlichen Pensionsalter Vollzeit arbeiten, andere möchten ihren Arbeitsumfang reduzieren. Viele würden ihr Knowhow sehr gern an jüngere Kolleg:innen weitergeben, was wiederum Auswirkungen hätte auf den Arbeitsbereich. Ich bin überzeugt, dass damit sehr viele Arbeitnehmende auch über das ordentliche Pensionsalter hinaus im Arbeitsleben gehalten werden könnten. Und ebenso überzeugt bin ich, dass damit ein wichtiger Schritt zu einem Kulturwandel in der Arbeitswelt getätigt würde. Resultatorientiert und menschenorientiert – wie es Professor Wolfgang Jenewein am diesjährigen Finance Forum forderte.