Sozial 25. April 2026 Tatjana As’Ad

Politische Frage der Woche: Lohnstatistik

Gemäss einer neuen Statistik ist der Medianlohn in Liechtenstein seit 2022 um über fünf Prozent (359 Franken) gestiegen. Ebenfalls hat sich seit da die Differenz zwischen den Frauen- und Männerlöhnen um 1,8 Prozentpunkte verringert. Während Frauen zwar aufholen, bestehen weiterhin Unterschiede zwischen Geschlechtern, Arbeitsmodellen und Wohnorten, schreibt das Amt für Statistik. Der Medianlohn der Beschäftigten mit inländischem Wohnsitz lag im Jahr 2024 insgesamt 3,5 Prozent tiefer als derjenige der Zupendelnden. Die Hälfte der liechtensteinischen Bevölkerung verdiente im Jahr 2024 mehr als 7401 Franken. Acht Prozent verdienen mehr als 14 000 Franken.

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Die offizielle Zusammenfassung betont das Wachstum: 5 Prozent Steigerung und ein Medianlohn von 7’401 CHF. Für viele Menschen im Land ist das weit weg von der eigenen Realität. Zieht man die Teuerung ab, bleiben real noch 1.8 Prozent, die steigenden Krankenkassenprämien nicht eingerechnet. Abgesehen davon, löst Wachstum allein keine sozialen Probleme. Entscheidend ist die Frage, wie die Löhne verteilt sind.

Fast jede:r fünfte Arbeitnehmer:in verdient effektiv 4’000 CHF oder weniger, acht Prozent über 14’000 CHF und drei Prozent sogar über 20’000 CHF pro Monat. Das untere Viertel hat monatlich 77 Prozent weniger zur Verfügung als das oberste. Wobei selbst dieser Graben noch grösser sein dürfte: Boni und Gewinnbeteiligung werden nur anteilsmässig erfasst. Die Einkommen ganz oben bleiben im Dunkeln. Das ist kein Messfehler, sondern System.

Die Geschlechterfrage verschärft das Verteilungsproblem. Frauen bekommen im Schnitt knapp 1’000 CHF weniger pro Monat als Männer. Die Unterschiede sind dort am grössten, wo am meisten verdient wird: 28 Prozent in der Finanzbranche, 30 Prozent in der Rechts- und Steuerberatung. Auch im Gesundheitswesen, das traditionell von Frauen geprägt ist, liegt der Gender Pay Gap bei über 20 Prozent. Wer diesen Unterschied allein mit «Teilzeit» wegerklärt, stellt die falsche Frage. Die richtige lautet: Warum arbeiten Frauen überhaupt so viel öfter in Teilzeit als Männer? Die Antwort ist strukturell: ungleich verteilte Care-Arbeit, fehlende Betreuungsangebote, gesellschaftliche Rollenbilder. Und die Folgen davon sind messbar: Die Lohnschere öffnet sich mit dem Alter von knapp 3 auf fast 23 Prozent.

Die Statistik dokumentiert die Ungleichheit. Was es jetzt braucht, sind politische Antworten auf Verteilung, Transparenz und Gleichstellung.