Politische Frage der Woche: Elterntaxis
Den Schulweg selbstständig zu meistern, ist ein Meilenstein für jedes Kind. Doch oft verunsichern Gefahrenstellen die Eltern. Im Februar lancierten die Vereine Moveable und Fussverkehr Schweiz sowie der «Beobachter» die nationale Plattform «schulweg.ch», um den Schulweg der Kinder sicherer zu gestalten. Besonders kritisch wird die Situation auf dem Schulweg dort, wo Autos und Kinder auf engem Raum zusammentreffen, wie zum Beispiel, wenn Kinder mit dem Auto zur Schule gefahren werden. Das ist kein neues Phänomen. Schulen in der gesamten Region versuchen seit Jahren, die Situation zu entschärfen. Altstätten (SG) hat nun reagiert: Elterntaxis sind auf den Parkplätzen der Schulareale nicht mehr erlaubt, ein klares Verbot mit entsprechender Beschilderung wurde ausgesprochen.
Braucht es explizite Verbote für Elterntaxis?
Der Entscheid der Gemeinde Altstätten, Parkverbote bei Schulhäusern einzuführen, ist nachvollziehbar und entspringt einem berechtigten Anliegen: Die Verkehrssicherheit für Kinder soll erhöht werden. Grundsätzlich ist es zudem richtig und wichtig, dass Kinder ihren Schulweg, wann immer möglich, selbstständig zurücklegen. Dies fördert nicht nur ihre Orientierung und Eigenverantwortung, sondern leistet auch einen wertvollen Beitrag zur täglichen Bewegung. Dennoch greift ein reines Parkverbot zu kurz. Solche Massnahmen verhindern Elterntaxis nicht wirklich, sondern führen häufig lediglich zu einer Verlagerung des Problems. Eltern weichen auf umliegende Strassen und Quartiere aus, wo neue, teils ebenso unübersichtliche Verkehrssituationen entstehen. Die Belastung wird damit nicht gelöst, sondern verschoben, oft zulasten der Anwohnerinnen und Anwohner. Zielführender, wenn auch deutlich aufwendiger, sind nachhaltige Sensibilisierungskampagnen. Eltern und Kinder müssen von den Vorteilen eines zu Fuss zurückgelegten Schulwegs überzeugt werden. Neben der offensichtlichen Förderung der physischen Gesundheit spielt auch die psychische Entwicklung eine wichtige Rolle: Kinder gewinnen Selbstvertrauen, soziale Kompetenzen und ein Gefühl für ihre Umwelt. Diese Aspekte lassen sich nicht durch Verbote erzwingen, sondern nur durch Einsicht und Motivation stärken. Die Erfahrung zeigt: Zwang oder Druck sind selten geeignete Mittel, um Verhaltensänderungen herbeizuführen. Langfristig erfolgreicher ist es, wenn die Vorteile klar aufgezeigt und verständlich vermittelt werden. Wer den Nutzen erkennt, handelt eher aus Überzeugung, und genau darin liegt der Schlüssel zu einer nachhaltigen Lösung.
Daniel Walser, Vorstandsmitglied