Politische Frage der Woche: Lehrpersonenbefragung
In Liechtenstein steigen die Krankheitstage. Vor allem in der Landesverwaltung liegen diese über dem Durchschnitt und gemäss der Beantwortung einer kleinen Anfrage im Landtag sind die Ausfälle bei Lehrpersonen besonders hoch. Eine Studie aus dem Jahr 2024 nennt einige Problemfelder, die in der Schule zu schaffen machen: das Ansehen in der Öffentlichkeit, eine undurchsichtige Lohnpolitik und eine zunehmend aus dem Gleichgewicht geratene Work-Life-Balance. Mehr verhaltensauffällige Kinder mit psychischen Problemen sowie das Konzept «Schule für alle» führen gemäss der Studie, an der auch Lehrpersonen aus Liechtenstein teilnahmen, dazu, dass Lehrkräfte an ihre Grenzen stossen.
Mehr Krankheitstage: Müssen Massnahmen ergriffen werden?
An der Studie haben gemäss einem Bericht des Vaterland 230 von insgesamt 790 Lehrpersonen teilgenommen. Unklar bleibt, wie viele Lehrpersonen zum Zeitpunkt der Erhebung tatsächlich an den Schulen tätig waren und ob somit das gesamte Lehrpersonal die Möglichkeit hatte, an der Studie teilzunehmen.Die Resultate beziehungsweise die aufgezeigten Problemfelder sind ernst zu nehmen. Wenn nahezu 76 Prozent der Befragten angeben, ihren Beruf nicht noch einmal wählen zu wollen, gibt das zu denken.
Ich habe grossen Respekt vor dem Lehrberuf. Lehrpersonen übernehmen nicht nur Bildungs-, sondern auch wichtige Erziehungsaufgaben und bilden damit einen zentralen Pfeiler unserer Gesellschaft. In meinen Augen können sie wertvolle und prägende Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter auf Zeit im Leben von Kindern und Jugendlichen sein. Das gilt im Übrigen auch für Betreuende in einer Kita. Kinder sind unsere Zukunft – und Bildung eine unserer wichtigsten Ressourcen.
Es ist Aufgabe und Verantwortung des Staates, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen und Lehrpersonen in ihrer anspruchsvollen Tätigkeit bestmöglich zu unterstützen. Um die Frage, ob es Massnahmen braucht, tatsächlich beantworten zu können, ist den Ursachen der genannten Problemfelder auf den Grund zu gehen. Das ist in der Zuständigkeit des Bildungsministeriums. Ob und in welchem Umfang man sich dieser Aufgabe bereits angenommen hat, ist die eigentliche Frage.