Zwischen Lohnkürzung und Prävention: Unterschiedliche Antworten auf Kurzausfälle
Der Abgeordnete Sebastian Gassner gibt zu Beginn der letzten Woche Einblick in die Gedankenwelt der «Fortschrittlichen Bürgerpartei» (FBP). In parteiinternen Gremien scheint man sich ernsthaft damit zu beschäftigen, wie mit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern umzugehen sei, die lang- oder kurzfristig bei der Arbeit ausfallen. Das Thema wird kurzerhand zum Problem erklärt. Auf welche Grundlage sich die FBP dabei stützt, bleibt im Verborgenen. Präsentiert wird stattdessen eine scheinbar einfache Lösung: Weniger Lohn bei Kurzausfällen. Diese Idee folgt einer altbekannten, rückwärtsgewandten Logik des Misstrauens: Wer «nur» zwei, drei Tage krank ist, kann und soll trotzdem funktionieren. Anwesenheit heisst Leistungsbereitschaft, Gesundheit wird zur Privatsache erklärt. Dass Arbeiten trotz Krankheit weder produktiv noch verantwortungsvoll ist, wird ausgeblendet. Wer krank zur Arbeit erscheint, fällt oft länger aus, steckt andere an und verursacht am Ende höhere Kosten für Betriebe und die Allgemeinheit.
Geradezu zynisch ist dieser Ansatz gegenüber jenen Menschen, die in schlecht bezahlten und körperlich belastenden Berufen arbeiten und einem erhöhten Erkrankungs- und Verletzungsrisiko ausgesetzt sind, zum Beispiel in der Pflege, Betreuung oder im Bausektor. Lohneinbussen können hier existenzbedrohlich sein. Offenbar scheint es für das Politik-Team der FBP kein Problem und durchaus verkraftbar zu sein, solche Lohneinbussen hinzunehmen und gleichzeitig davon auszugehen, dass sich das alle leisten können.
Anstatt die Ursachen häufiger Kurzausfälle ernsthaft zu analysieren, etwa Überlastung, Personalmangel, gesundheitsschädliche Arbeitsorganisa-tion oder fehlende Mitbestimmung, verengt die FBP die Debatte auf angeblichen Bürokratieabbau zugunsten der Arbeitgebenden. Dabei ist offensichtlich, dass unterschiedliche Lohnsätze je nach Krankheitsdauer mehr und nicht weniger Bürokratie schaffen.
Die Freie Liste setzt dem einen klar anderen Ansatz entgegen: Gefordert sind bessere Arbeitsbedingungen in den betroffenen Branchen, faire Löhne, ausreichend Personal und mehr demokratische Mitbestimmung in den Betrieben. Das stärkt die Gesundheit, Motivation und tatsächliche Leistungsfähigkeit – eine Lösung, die allen zugutekommt, nicht nur den
Arbeitgeberverbänden.
Vorstand der Freien Liste