Ökologisch 19. November 2022

Wenn wir doch nur glauben könnten, was wir wissen

Liechtenstein hat sich international verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Netto-Null zu reduzieren und damit auch unseren Teil zur globalen Herausforderung beizutragen, die Erderwärmung auf 1.5 Grad zu begrenzen. Die jüngsten alarmierenden Klimaforschungsberichte gehen davon aus, dass der 1.5-Grad-Wert noch in diesem Jahrzehnt überschritten werden könnte. Auch Liechtensteins Zwischenbilanz bezüglich der Erreichung der Emissions- und Energiebedarfsreduktionsziele fällt mehr als ernüchternd aus. Doch sich lediglich auf die Emissionsverringerung zu beschränken, wird nicht ausreichen, die Klimaziele zu erreichen und die gesellschaftlichen Umbrüche als Folge des Klimawandels zu bewältigen. Wir haben zu lange gezögert und unumkehrbare Entwicklungen angestossen, nun stehen wir auf der Kippe. An Privilegien festhalten, propagieren, nur stetiges Wirtschaftswachstum sichere unseren Wohlstand, ungeachtet der planetaren Grenzen und der Frage, wer den Preis für unseren Lebensstil bezahlt, ist kurzsichtig, egozentrisch und fatal. Der Umstieg in eine nachhaltige Wirtschaft und Aufbau von sparsamen, resilienten und nachhaltigen Gesellschaften, in denen alle gleichberechtigt und gut leben können, ist jetzt in Angriff zu nehmen. Das Wirtschaftswachstum ist zu entkoppeln von Emissionen und Ressourcenverbrauch. Wir brauchen Strategien, in denen Effizienz und Suffizienz integral mitgedacht werden und den politischen Mut, Massnahmen einzufordern, die eine «Wirtschaft des Teilens» damit verbindet. Der massive Biodiversitätsverlust erfordert Konzepte, welche aufzeigen, wie wir unsere Versorgungssicherheit gewährleisten können und welches Ausmass an Zugriff auf Ressourcen verträglich ist. Transformation ist der einzig gangbare Weg, die Welt zu stabilisieren und einer weitaus friedlicheren und sichereren Zukunft entgegenblicken zu können. Wir brauchen eine Politik, die offen und ehrlich sagt, was Sache ist, die die Betroffenen – also uns alle – zu Beteiligten macht, die regionalen Möglichkeiten in den Vordergrund stellt und uns die Wirksamkeit unseres Tuns erleben lässt. Das stärkt den Zusammenhalt und erhöht die Widerstandskraft. Eine Gesellschaft, die regeneratives Denken und Gerechtigkeit in den Mittelpunkt sämtlicher Handlungen und Entscheidungen stellt, mag utopisch oder naiv klingen. Dennoch ist es die einzig logische Konsequenz, um sich für eine Zukunft mit Lebensqualität zu wappnen, wenn wir denn anfangen zu glauben, was wir wissen. Wir laden Sie herzlich ein, mit uns in den Dialog darüber zu kommen! Weitere Informationen entnehmen Sie unserem Positionspapier zur Klimastrategie. Zu finden unter www.freieliste.li.